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strandgut oder: die
legendäre letzte zigarette
(I think last night you were driving circles around me - Your Ghost, Kristin Hersh)

... obwohl sie zugleich sinnbild des verfalls war ... nein / zwölftes kapitel / sie betete sie an / sie war ihre geliebte und würde es immer sein ...

da saß ich nun ich armer sweeney verspottet selbst von baumkronen / dies war kein traum in dem es genügte die arme zu heben / dies luftschwimmen mußte ich erst lernen und ist nicht wie sex / fragt die vögel hört ihr lachen lernt gleichgewicht zu halten ohne boden und nestflüchtig auch ich himmelwärts zu oberflächen luft tanken an semipermeablen die unüberschreitbar höchstens ich ausbeule / allein der nächste ast schien weit und gefährlich / feigling sagte ary und ich solle mir das reden ab und bald gewöhnte ich mich an dieses leichte körperhaus das schlafen in wächtergestalt und sich selbst weder kennen noch vergessen das tier so natürlich diese perspektive / dann wieder vogel und weder dies noch mensch und fremd das wissen geliebt zu haben als einzige gewißheit nicht was zu tun wäre außer susan zu folgen und zu hoffen auf ihr erkennen allüberall zum beispiel über die gäste hinweg zur chorgalerie als verkleideter zaunkönig / welches gesicht sie wohl zum altar tragen wie es wäre arthurs augen auszupicken und ob susan dies wohl gestatte? / wie hätte sie denn auch ahnen können von dem vogel auf der vip-tribüne der schwarz sie nicht aus den augen ließ um sich geiergleich auf das aas ihrer abgelegten liebe zu stürzen diesen verwesungsgeruch in der nase den auch ihr parfüm nicht überdecken konnte / sie lachte nur susan lachte nur als der pfarrer sprach wer da-gegen solle jetzt oder schweigen für immer und ich krächzte und natürlich drehten sich alle um zu mir dem raben der so nett und lustig krächzte und lachten nicht abergläubisch denn s'war ja nur ein tier das nichts bedeutet und versteht bloß verirrt hat es sich wohl das arme ding / nur ary lachte nicht war so weiß wie susans kleid wie damals als es sie zum ersten mal angefallen und sich mit spitzen krallen in ihren körper gebohrt hatte / das große p / der kleine störenfried / der nun auch ihr meiner gläubigen assistentin sich vorgestellt und hallo gesagt hatte / der junge mit der steinschleuder hätte mich niemals so treffen können wie ihr blick / sie war die letzte die sich wieder umdrehte zum altar hin und um nicht zu sehen wie sich die frischvermählten küßten sah sie zu boden als fürchte sie als zeugin schuldig zu werden / so mußte auch ich sie erschreckt haben als ich nach dem reisregen auf die braut zu flatterte ihr haar entblütete und auf den nächsten baum floh im schnabel meine trophäe fetzen ihres schleiers und geruchs / und dann in arys autokäfig kam das stück susan ins handschuhfach vorbei an den gartenzwergposten an der grenze hielt ary mir unräbisches verhalten vor und eine bonbondose mit regenwürmern [...]

[...] warum sollte sich ein vogel totstellen? das sei doch nicht normal / das sei hier sowieso nichts mehr und vielleicht gar kein echter rabe so mein bruder der mich für mechanisch hielt und mir in die augen sah worin er das objektiv vermutete denn wir sind hier im osten vergiß das nicht susan und sie widersprach sie glaube nicht daran / nein natürlich nicht so arthur heute würden sie pornos draus machen und dann war von paranoia die rede und ich kam in den schrank und hörte meine eigene schand [...] und streifte vogelfrei durch die stadt himmelseits hastig flügel schlagend bis entfederung drohte und schmerzen auf der flucht und wußte nicht wovor ekel farbleerer blick aus tieraugen tierstimme tierschwingen nun / sollte ich nicht genießen diesen flug die freudensprünge das getragenwerden auf himmelsschärpen dem ausgelegten blauen teppich zwischen wolken und erde ich zu tief und wolken zu hoch und menschenfern? / über gottlose see und vorbei an geschmückten ankern ruhe zeugnisse irdischen glaubens in deren dachstühlen mein versteck / madwoman in the attick / hier störte mein krächzen niemanden nicht die touristen und ihre apparate die sagten was schaut denn der so klug nicht wahr kluges tier dieser vogel echt oder ausgestopft? flog ich zu einem anderen turm einer anderen religion und ließ mich nieder darin inmitten des nebels der sich eingeschlichen in mein gefieder das feucht und klamm den dreck aufnahm den schmutz der kirchtürme / dieses mein mitbringsel für jede neue religion bevor ich sie stärker verschmutzt wieder verlassen / ich habe nie gelernt meine federn zu säubern / zu dünn meine haut zu zerbrechlich die knochen und schreckhaft bin ich geworden / der nebel legte seinen mantel um mich damit niemand meine augen sah die ach so klugen dabei traurigen hinweise auf was ich gewesen und sie nicht glauben würden / dann schon lieber ausgestopft das kannten sie damit konnten sie umgehen [...] ich will nicht daß dies je meine stadt wird niemals hörst du will ich mehr mit ihr verglichen werden / was hast du dir dabei gedacht ausgerechnet sie die sie mütterlich nennen zu wählen wie deinen bräutigam von dem ich im übrigen nicht glaube daß er es war der diesen ort ausgesucht hat / hast du nicht gewußt daß ich dir folgen dich suchen und auf dich warten würde? / so cold let me in at your window / dein schwarzgefiederter heathcliff [...]

[...] die stadt am morgen in nebel gehüllt wie ein plattencover der band dessen sound letzte nacht am himmel gekratzt hatte / nichts davon war mir entgangen / running my fingers up and down your spine / der geruch von moder und essen einer haut des körpers gierig den tag zu verschlucken / the same good feeling as when your heart meets mine / und traumverlassen die raben in ihren türmen / die fassaden auf krücken gestützt so zeigt die steinerne diva ihr wahres gesicht nur im zwielicht / die häuser zum tode verurteilt der durch ritzen sich einschleicht in die träume der steine die tagsüber ruhig atmen und erwachen sobald ihre mieter schlafen um zu tratschen mit nachbarn auf pawlatschen und geheimnisse über diese auszutauschen / so lebt und atmet sie sich ein in die träume ihrer bewohner zerrt sie aus dem schlaf in ihren schoß diese mutter in deren ermatteten augen sich immer noch so viele zu spiegeln versuchen / jahrhundertelang hat sie ihr chaotisches netz gesponnen wie auf lsd und kinder und liebhaber gefressen um weiter zu wachsen bis die nahrung ausblieb und vielleicht ist das was wir von ihr sehen nur ihr abgelegtes kleid zurück gelassen bei ihrer letzten häutung / der versteinerte rest eines traumes

[...] allzu leicht glaubt man hier noch im alltäglichsten wunderbare zeichen zu sehen / wenn lehmklötze zu menschen werden zu insekten zauberern raben direktoren kaninchen karpfen dackel mehl mit ohren pflaumenaufläufe rindviecher heringe und wassermän-nern die seelen fangen und verkaufen / hier glauben sogar die schulkinder ihre schreibtafeln wären ein stück herausgeschnittener nachthimmel und träumen sich hinein [...]

ich setzte an zur landung


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loving the alien
zeichnungen: l.g.x. lillian mousli | code/texte: nika bertram | [credits & thx]

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