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| strandgut oder: die legendäre letzte zigarette |
Endlich lief ich auf Grund auf, in der Dunkelheit der Tiefsee. Es gelang mir, mich aus meiner Kapsel zu befreien, und ich trieb wieder nach oben, schneller als ich hinabgesunken war. Bald wurde es heller, und es erschien ein riesiges Schiff über mir, das mich so stark anzog, daß ich gegen seinen Sog ankämpfen mußte, um nicht von seiner Schraube zerfetzt zu werden. Es bewegte sich riesig und majestätisch über mir auf der schwarzen See, unter einem tiefblauen Nachthimmel. Auf mich zu. Egal, wohin ich vor ihm auszuweichen versuchte. Sobald ich mich herumdrehte, sah ich seinen mächtigen Rumpf hinter mir, einmal kurz seine vier großen Schornsteine, und schwamm sofort wieder weiter, bis ich erschöpft aufgab, auf der Stelle zappelte und darauf wartete, das mich das Schiff mit seinem Bug überfahren würde. Es blieb stehen. Direkt vor mir. Wenn ich meine Hand ausstreckte, konnte ich seinen schwarzen Rumpf berühren, es streicheln, wenn ich es gewollt hätte. Ich stieß mich ab, schwamm davon, und es folgte mir. Ich drehte mich um, und es blieb wieder stehen. Vielleicht würde es sogar für mich Männchen machen, doch das wollte ich lieber nicht ausprobieren. Jemand mußte mich gesehen und eine Strickleiter hinunter gelassen haben. Ich hatte Angst, dort hinaufzuklettern, doch mir blieb keine andere Wahl. Als ich oben ankam, legte mir ein Matrose sogleich eine Decke um, erkundigte sich nach meinem Namen und sagte, ich werde schon erwartet. - Von wem? fragte ich und erhielt keine Antwort, sondern wurde zum Aufenthaltsraum gebracht, einer Art Backstage-Party. Dort saß mein Vater, der sich von seinem Barhocker erhob und auf mich zukam, mich umarmte und fest an sich drückte. Ich solle mich nicht fürchten, sagte er und tippte den Typen neben ihn an, der sich zu uns umdrehte, mich freundlich anlächelte und mir sehr bekannt vorkam. - Darf ich vorstellen? fragte mein Vater. - Herr K, meine Tochter Nadine, und K schüttelte meine Hand, gab mir einen Drink und sagte, als er mein Zögern bemerkte, für Künstler wären hier alle Getränke frei, doch da zog mich mein Vater auch schon von ihm fort, hin zu einer braunen Insel mit orangefarbenen Clubsesseln, auf der es siedend heiß war und selbst die Boxen Easy-Listening ausschwitzten. Er bezahlte seinen Tipsy Tangerine, sah mich schweigend an und lächelte. | |
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